Piratenpartei Hamburg

Saurabh R. Patil

Früherziehung zum gläsernen Bürger?

Auch weiterhin erreichen uns Informationen über Fälle, bei denen Schülern die Teilnahme am Mittagessen, ohne Fingerprint, verweigert wurde. Betroffenen Eltern können uns über fingerprint@piratenpartei-hamburg.de, zu ihren Erfahrungen informieren. Ab heute werden wir diese Informationen zusammenfassen und auf http://fingerprint.piratenpartei-hamburg.de/ veröffentlichen.

Inzwischen hat die Firma People and Projects IT, auf Grund unserer Veröffentlichungen, ihr System überarbeitet. People und Projects hatten auf eine Zustimmungsrate von 90%, bei der Verwendung des Fingerprintsystems verwiesen. Dies war auch nicht weiter verwunderlich, denn bis vor kurzem bot die Online-Registrierung, in vielen Fällen, gar keine Möglichkeit zwischen Fingerabdruck, RFID-Chipkarte oder gar einer datensparsamen Bezahlmethode wie zum Beispiel Essenmarken zu wählen. Wie die veröffentlichten Fälle in Grundschulen und Kitas belegen, wurde die Bezahlung per Fingerabdruck als Normalfall inszeniert und auch durchgesetzt.

“Wir überlassen die Erziehung unserer Jüngsten in Sachen informationeller Selbstbestimmung externen Datenverarbeitungsunternehmen. Wer in Zukunft seine biometrischen Daten schützen will, wird bereits in der Kita als Außenseiter vorgeführt. Die Biometrie-Branche forciert hier mitten in unseren Kindergärten einen Kulturwandel und die Politik schaut weg, statt unsere Kinder vor diesem steigenden Einfluss zu beschützen” – so Sebastian Seeger, Spitzenkandidat der Piratenpartei Hamburg.

Auch die angebotene RFID-Chipkarte stellte in vielen uns geschilderten Fällen eine reale soziale Hürde dar. Sie wird als Alternative zum Fingerabdruck angepriesen, war aber mit zusätzlichen Kosten verbunden und damit besonders für finanziell benachteiligte Familien keine Option, denn ein Pfand von 30 Euro ist schon für eine Familie mit zwei oder gar drei Kindern eine reichlich hohe Einstiegsschwelle. So entstand ein falsches Anreizsystem, dessen Effekt wir an den vermeintlich hohen Zustimmungsraten deutlich ablesen können. Inzwischen wird überlegt, Leistungsbeziehern die Nutzung der RFID Karte ohne Pfand zu ermöglichen.

Der Anbieter warb auf Informationsveranstaltungen für sein Produkt, verwies aber nicht auf die Risiken seines in Teilen unzertifizierten Systems. Viele Eltern waren ohne unabhängige Aufklärung mit der heiklen Entscheidung völlig überfordert. Die Schulleitungen und die Schulbehörde wohl ebenso. Die Gefahren der automatisch und kontaktlos auslesbaren RFID-Chipkarten zeigt ein Fall aus Texas, wo genau solche Karten zum Tracking (der automatisierten Feststellung des Aufenthaltsortes und der Aktivität des Betroffenen) der Schüler benutzt wurde und ein Schüler, der die Teilnahme verweigerte, vom Schulbesuch ausgeschlossen wurde.

Der Schulbehörde fehlt es bis heute an Problembewusstsein, technischer Expertise und Sorgfalt bei der Einführung des Systems.
Die Aufnahme biometrischer Merkmale von Minderjährigen unterminiert früh ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Die zukünftige Verwendung unserer Daten ist in Zeiten globaler Überwachungsprogramme völlig ungewiss. Wir lassen zu, dass eine ganze Generation dauerhaft entmündigt wird.
In anderen Bundesländern und Österreich laufen nun ebenfalls Hinweise auf die schleichende Einführung biometrischer Bezahlsysteme an Schulen ein.


Ein Kommentar zu Früherziehung zum gläsernen Bürger?

  1. agtrier meinte am

    Hm, 30 Euro Pfand für eine RFID Karte, die im (Groß-)Einkauf doch höchstens geringe Centbeträge kosten kann, erscheint mir, nebenbei bemerkt, auch etwas exzessiv…

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